Verlagerung des Famila-Marktes auf die Hofstelle Küstermeyer
Lohne, den 24. Februar 2020
Der Vorschlag, ein Einzelhandelszentrum und einen Parkplatz auf dem Gelände von Küstermeyer in zentraler Lage am Rande des historischen Stadtkerns von Lohne zu errichten, ist inzwischen bekannt. Die aktuell veröffentlichten Informationen zeigen, dass ein neues Einkaufszentrum mit einer Verkaufsfläche von mehr als 5000 m2 und 228 Parkplätzen entstehen wird. Die Hauptkomponente ist ein Supermarkt der Bünting Gruppe („Famila“). Die Bebauungen werden ebenerdig sein. Um dies zu realisieren, müssen bereits bebaute Flächen wie das Gelände des bestehenden Autohauses Küstermeyer weiterverwendet und zumindest ein Teil der Waldflächen mit hohem Naturwert rund um den historischen Küstermeyer Hof zerstört werden.
Die Planung ist noch nicht in die formelle Phase eingetreten, aber die Bünting Gruppe hat ihre Pläne bereits bekannt gegeben. Dies beinhaltete eine öffentliche
Präsentation vor dem Bau-, Verkehrs-, Planungs- und Umweltausschuss des Stadtrats von Lohne. Gemäß dem Protokoll dieser Sitzung ist das Ziel der Bünting Gruppe „eine zeitgemäße Einkaufsatmosphäre
zu schaffen“. Die Mehrheit der Ausschuss-Mitglieder hat sich für den vorgelegten Plan ausgesprochen (9:5), und der Bürgermeister ist aktenkundig dafür.
Dieser Plan, soweit er öffentlich bekannt ist, wurde vom NABU sorgfältig geprüft. Der Zuständigkeitsbereich des NABU liegt hier im Schutz der Umwelt und der natürlichen Ressourcen. Daher konzentriert sich der NABU hier auf die direkten Auswirkungen der Waldzerstörung auf die Natur und die indirekten Folgen für Lohne als Ganzes, die mit dieser Art von Entwicklung an diesem Standort einhergeht. Andere spezifische Auswirkungen auf die wirtschaftliche oder soziale Leistung des Stadtzentrums und einige logistische Aspekte wie die Auswirkungen auf den lokalen Verkehr fallen nicht in den Geltungsbereich dieser Erklärung, obwohl der NABU einräumt, dass auch diese wichtig sind. Die NABU-Position lautet wie folgt:
1. Die Zerstörung des der Waldflächen mit hohem Naturwert an diesem Standort wird erhebliche Auswirkungen auf das Stadtzentrum als Lebensraum für wild lebende Tiere haben. Mit der „Verdichtung“ der Stadt werden grüne Lungen zunehmend wichtiger.
2. Der NABU verurteilt auf das Schärfste die äußerst verschwenderische Nutzung von Land an einem potenziell wertvollen zentralen Standort. Der Druck auf unsere Landressourcen ist enorm, und Lohne verfügt bereits über eine sehr große Einzelhandelsfläche pro Einwohner. Bei „Verdichtung“ muss die Nutzungsintensität bebauter Flächen erhöht werden, um unbebautes Land zu schützen. Im vorliegenden Fall haben wir einen sehr wichtigen Standort in Lohne, der kaum verschwenderischer genutzt werden könnte: für ein ebenerdiges Einzelhandelszentrum mit ebenerdigem Parkplatz. Es ist ein Stück amerikanische Vorstadt mitten in Lohne.
Die Mehrzahl der öffentlichen Äußerungen der Politiker spiegelt die Verzweiflung wider, irgendetwas (egal was) für ein beinahe totes Stadtzentrum zu tun. Auch die öffentlichen Äußerungen der Stadt Lohne lassen ein Verständnis darüber vermissen, wie eine Stadt als dynamisches System durch intelligente, vorausschauende Planung verbessert werden kann. Wie schon beim Marktgaleriedebakel, gibt es auch hier bisher keinen Hinweis auf eine Strategie, die die Möglichkeiten, Kosten und Opportunitätskosten für Lohne als Ganzes berücksichtigt. Stattdessen reagiert die Stadt auf eine private Geschäftsgelegenheit, anstatt langfristige öffentliche Interessen zu wahren. Die politischen Diskussionen konzentrieren sich auf einen bloßen Vergleich des wirtschaftlichen Wertes des Standorts an sich vor und nach der Bebauung.
Leider scheint Lohne nicht aus den Fehlern der letzten fünfzig Jahre gelernt zu haben und plant immer noch für 2050 mit der Denkweise von 1950. Ein neuen Supermärkte wäre ein weiteres Nebenzentrum um das Zentrum zu 'beleben'. Die Opportunitätskosten für eine derart verschwenderische Nutzung dieses Standorts zur Bereitstellung von Einzelhandelsflächen, die in Lohne bereits im Übermaß vorhanden sind, bedeuten, dass andere Flächen für den von uns benötigten Wohnraum genutzt werden müssen. Diese Verschwendung von Land führt zu einer Kettenreaktion von Umweltschäden.
Nach eigenen Angaben, will die Bünting Gruppe eine „zeitgemäße Einkaufsatmosphäre“. Eine echte „zeitgemäße Einkaufsatmosphäre“ kann nicht durch Zerstörung der Natur und Verschwendung von wertvollem Land erreicht werden.
Der Bürgermeister sagt, er will mit dieser Bebauung die Stadt beleben. Um dies zu erreichen, ist ein intelligenterer und strategischerer Plannungsansatz erforderlich, der sich auf öffentliche Vorteile konzentriert.
Dr. Donal Murphy-Bokern
2. Vorsitzender des NABU-Kreisvorstandes